Rathaus Wilhelmsdorf
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Veranstaltungen

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25 Jahre Naturschutzzentrum Wilhelmsdorf

Lothar Zier, früherer Leiter des NZW
Umweltminister Franz Untersteller; Josef Kreuzberger, Vorsitzender des SHB;
Dr. Bernd Langner, Geschäftsführer des SHB
Ministerialdirigent Karl-Heinz Lieber; Albrecht Trautmann, 1. Vorstand;
Dr. Hans Gerstlauer, ehemaliger 1. Vorstand (hintere Reihe)
Margit Ackermann, Umweltbildung; Pia Wilhelm, Leiterin des NZW; Moderator Udo Gattenlöhner, Geschäftsführer Global Nature Fund

Am 11. Oktober 1994 wurde das Naturschutzzentrum Wilhelmsdorf unter der Trägerschaft des Schwäbischen Heimatbunds e. V. eingeweiht.

Nachdem 1993 das Speditionsunternehmen Ibele in das Gewerbegebiet Untere Luß umsiedelte, kaufte die Gemeinde das Gebäude im Riedweg 3 am nördlichen Ortsrand zum Ried. Es gab Überlegungen, das Haus als Unterkunft für Asylsuchende bereitzustellen. Gleichzeitig setzten sich engagierte Bürgerinnen und Bürger dafür ein, hier ein Naturschutz- und Informationszentrum einzurichten, ging es doch darum, das zweitgrößte Moor in Südwestdeutschland – das Pfrunger-Burgweiler Ried – zu schützen und für die Nachwelt zu bewahren. Sie fanden in Lothar Zier, Oberförster aus Königseggwald im Ruhestand und profunder Kenner des Rieds, einen Partner und Motor des Naturschutzes. Schon zu Dienstzeiten im gräflichen Haus Königsegg durchstreifte er alle Ecken und Winkel des Moores und erfasste mit breitem naturkundlichem Wissen Flora und Fauna des Rieds. Da war es ein logischer Schritt, dass Lothar Zier – liebevoll auch der „Vater des Rieds“ genannt – von dem damaligen Bürgermeister Traub bedrängt wurde, die Leitung des Naturschutzzentrums zu übernehmen. Zuvor galt es jedoch, den Schwäbischen Heimatbund in Stuttgart für diese Herausforderung zu gewinnen. Da war es ein glücklicher Umstand, dass gerade Dieter Dziellak, Bürgermeister a. D., als Geschäftsführer des SHB seinen Dienst angetreten hatte. Er brachte den Mut auf, den Schwäbischen Heimatbund als Trägerverein für das Naturschutzzentrum zu verpflichten, nachdem das Land Baden-Württemberg bereits ein Naturschutzzentrum in Bad Wurzach und der NABU das Naturschutzzentrum Federsee in Bad Buchau eröffnet hatten.

So richtete Lothar Zier gemeinsam mit dem SHB und mit finanzieller Unterstützung des Landes mit großer Kompetenz und viel kreativer Fleißarbeit die erste Ausstellung ein.

Im Zuge der Einrichtung des Naturschutzzentrums erfolgte auch die Erweiterung des Riedlehrpfads in Zusammenarbeit mit der Suchtklinik Ringgenhof der Zieglerschen vorbei am Überwachsenen See bis hinaus zum Hochmoorrest Eulenbruck. Infotafeln informieren über Entstehung und Flora und Fauna des Moors.

Es folgten der der Neubau des Sommerklassenzimmers sowie die Anlage des Gehölzlehrpfads 1998. Nachdem auch dieses nur ungenügend beheizbare Holzgebäude ohne Sanitäranlage und Wasseranschluss nicht mehr den Bedürfnissen der wachsenden Schülerzahlen genügte, konnte auf Initiative von SHB-Geschäftsführer Dieter Dziellak mit Förderung der Stiftung Naturschutzfonds des Landes und dank einer Spendenaktion bei den Mitgliedern des SHB im Jahr 2001 die „Naturerlebnisschule“ eingeweiht werden. Dank Landesförderung konnte auch noch eine Fotovoltaikanlage auf dem Dach installiert werden. Seitdem ist die Umweltbildung neben der Betreuung des Naturschutzgebiets und der Öffentlichkeitsarbeit ein wichtiges Standbein des Naturschutzzentrums. Seit 2004 gibt es eine Kooperation mit der damals noch Grund- und Hauptschule, heute mit der Grundschule Wilhelmsdorf. Seit 2003 bietet das NZW im Rahmen einer Kooperation mit dem Gymnasium Wilhelmsdorf freie Kursangebot an. Schulklassen aus dem Landkreisen Ravensburg, Sigmaringen, Bodenseekreis und aus anderen Landkreisen nutzen ebenfalls das naturpädagogische Programm des NZW. Im Jahr 2005 siedelte dann die Bienen-AG unter der Leitung von Frieder Guggolz von der Grund- und Hauptschule zum Naturschutzzentrum um. Über 35.000 Kinder vom Kleinkind bis zum Abiturienten erlebten seit 1994 bei ca. 2000 naturpädagogische Veranstaltungen mit Kopf, Herz und Hand unter der fachkundigen Anleitung der naturpädagogisch geschulten Mitarbeiterinnen des NZW die Lebensräume Moor, Wasser, Wald und Wiese und deren tierischen und pflanzlichen Bewohner. Eine Ausweitung der Umweltpädagogik auf den Bereich Ostrach/Landkreis Sigmaringen wurde 2019 gestartet.

Ein großer Meilenstein für das Naturschutzzentrum war das Naturschutzgroßprojekt zur Wiedervernässung von 2003 - 2015.

Doch der räumlichen Entwicklung im Naturschutzzentrum waren Grenzen gesetzt. Das Geld für einen Neubau war nicht in Sicht und auch im Naturschutzgroßprojekt nicht vorgesehen. Da wurde die Krise zur Chance: Das infolge der Wirtschaftskrise 2008 aufgelegte Konjunkturpaket II bot der Gemeinde Wilhelmsdorf gemeinsam mit dem Schwäbischen Heimatbund als Partner die Chance auf Verwirklichung eines Neubaus, der 2012 eröffnet wurde.

Nach dem Ende des Naturschutzgroßprojekts war es 2016 ein logischer Schritt, das Naturschutzzentrum in die Trägerschaft der „Riedstiftung“ zu überführen. Nach wie vor sitzen die Landkreise Ravensburg und Sigmaringen sowie die Gemeinden Wilhelmsdorf, Ostrach, Riedhausen und Königseggwald und der Schwäbische Heimatbund in diesem Boot und beteiligen sich an der Finanzierung der Stiftung und des Naturschutzzentrums. Das Land Baden-Württemberg trägt ebenfalls seinen Anteil bei in Form des Zuwendungsvertrags für die Betreuung des NSG Pfrunger-Burgweiler Ried und durch Landschaftspflegemittel für Riedpflegemaßnahmen. Weiter wird das Naturschutzzentrum Wilhelmsdorf maßgeblich von der Kreissparkasse Ravensburg durch die Förderung der Umweltbildung sowie vielen gewerblichen und privaten Spendern und Sponsoren unterstützt.

Insgesamt besuchten seit der Eröffnung mehr als 120.000 Menschen aller Altersklassen und verschiedenster Herkunft das Naturschutzzentrum Wilhelmsdorf und seine Veranstaltungen.
 
 
Am Freitag, 25. Oktober 2019 wurde nun das 25-jährige Jubiläum in einem Festakt feierlich begangen. Etwa 90 geladene Gäste verfolgten Rückblicke auf die erfolgreiche Entwicklung im Riedweg und im Ried im letzten Viertel Jahrhundert durch Albrecht Trautmann (Erster Vorstand der Riedstiftung), Sandra Flucht (Bürgermeisterin der Gemeinde Wilhelmsdorf und Zweiter Vorstand der Riedstiftung) und Josef Kreuzberger (Vorsitzender des SHB). Der Minister für Umwelt, Klima und Energiewirtschaft Baden-Württemberg Franz Untersteller ging auf die große Bedeutung der Moore als Lebensraum für hoch bedrohte Arten und für den Klimaschutz ein. „Das Pfrunger-Burgweiler Ried ist nicht nur für Baden-Württemberg sondern auch für ganz Deutschland und z. T. auch von europäischer Bedeutung“, so Untersteller. In einem moderierten Gespräch kamen Lothar Zier und die aktuellen Mitarbeiterinnen des NZW Margit Ackermann, Sabine Behr und Pia Wilhelm zu Wort. Sie schilderten die Entwicklung des NZW aus historischer und fachlicher Sicht. Christoph Schulz, Bürgermeister der Gemeinde Ostrach und Vorsitzender des Stiftungsrats der Riedstiftung betonte die Funktion des Naturschutzzentrums als Anlaufstelle und die Attraktivität des Rieds für die Ferienregion Nördlicher Bodensee. Umrahmt wurde der Festakt von einem kammermusikalischen Trio um den Moorführer Michael Bauer aus Ostrach.

Am Sonntag, 27. Oktober 2019 war dann die Öffentlichkeit zum Tag der offenen Tür eingeladen. Geschätzte 500 Gäste nahmen am bunten Veranstaltungsprogramm für Erwachsene und Kinder teil oder ließen sich bei strahlendem Sonnenschein die Grillwürste von der Vermarktungsinitiative „Genuss vom Pfrunger-Burgweiler Ried“ sowie Getränke und die gespendeten Kuchen schmecken. Die vier „Rotachtaler Musikanten“ aus Wilhelmsdorf sorgten für musikalische Unterhaltung.
Ein großer Dank sei nochmals allen Personen, Institutionen und Partnern ausgesprochen, die an der Erfolgsgeschichte des Naturschutzzentrums in den letzten 25 Jahren beteiligt waren und jenen, die zum Gelingen des Jubiläums-Wochenende beigetragen haben. Die Liste der zu nennenden Namen ist sehr lang – deshalb ein umfassender Dank an ALLE!

Ein besonderer Dank jedoch allen Gewerbebetrieben, die Preise für die Tombola gespendet haben und allen Kuchenspendern!
 
Pia Wilhelm

(Erstellt am 31. Oktober 2019)